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Für eine zukunftsfähige, integrierte Suchtversorgung in Deutschland – Kurzzusammenfassung der Stuttgarter Biennale 2025

Bereits zum dritten Mal bot die Stuttgarter Biennale, unter der Leitung von Dr. Maurice Cabanis, ein hochkarätiges, interdisziplinäres Forum für Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Praxis, Politik und Selbsthilfe.
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Ziel des Kongresses war es, vor dem Hintergrund steigender Überdosisraten und eines dynamischen Drogenmarkts tragfähige und praxisnahe Lösungsansätze für die Suchtmedizin in Deutschland und Europa zu erarbeiten.

Im Zentrum der diesjährigen Veranstaltung mit dem Motto: „Überdosiskrise in Europa? Lehren aus Nordamerika – Konsequenzen für die Zukunft“ stand die Analyse der nordamerikanischen Überdosiskrise sowie die Ableitung konkreter Handlungsperspektiven für Deutschland und Europa. Im Fokus stand dabei der Auf- und Ausbau einer gesamtgesellschaftlich getragenen Versorgungslandschaft mit einem ganzheitlichen Präventions- und Therapieverständnis.

 

Botschaften und Kernerkenntnisse des Kongresses im Überblick

  • Im therapeutischen Setting für Menschen mit Substanzgebrauchsstörungen wurde hervorgehoben, wie relevant aktives Zuhören und das bewusste Stellen von Fragen sind. Ein Überangebot an therapeutischen Maßnahmen solle vermieden werden, die therapeutische Präsenz jedoch konsequent gewährleistet sein.
  • Ein zentrales Ziel bleibt die Etablierung einer gesamtheitlichen Versorgungslandschaft. Diese muss über die medizinische Versorgung hinausgehen und auch psychosoziale und strukturelle Aspekte einbeziehen.
  • Trotz vorhandener rechtlicher Rahmenbedingungen – beispielsweise für Drogenkonsumräume – werden diese in vielen Bundesländern weiterhin nicht ausgeschöpft. Dabei zeigen die verfügbaren Daten aus bestehenden Einrichtungen eine nachweisliche Reduktion von Risiken und drogenbedingten Todesfällen. Der Vergleich mit Gesundheitszugängen in anderen Indikationsbereichen wirft hier einige Fragen an die politische Umsetzungsbereitschaft auf.
  • Eine weitere wichtige Botschaft lautete: Jeder Akteur im Gesundheitssystem, sei es medizinisches Fachpersonal, Berater und Beraterinnen, aber auch politische Entscheidungsträger und Entscheidungsträgerinnen, sollte sich fragen, was er oder sie persönlich zur Verbesserung der Versorgung und Risikominimierung beitragen kann.

 

Wege in die Zukunft – Forderungen und Empfehlungen aus der Konferenz

Als Fazit der Biennale wurden drei zentrale Handlungsfelder genannt, die als Grundlage für eine zukunftsfähige Versorgungsstrategie dienen sollen:

  1. Etablierung eines interdisziplinären Alarmsystems
    Ein umfassendes, schnelles und ressortübergreifendes Monitoring-System, welches auf verschiedenen Ebenen ansetzt – etwa bei Betroffenen, in der Abwasseranalytik, in Laboren, bei medizinischen Einrichtungen und bei der Polizei – soll relevante Daten über das Auftreten und die Verbreitung von psychoaktiven Substanzen schnell verfügbar machen. Ziel ist eine frühzeitige Identifikation von Trends im Substanzgebrauch sowie das schnelle Erkennen von Gesundheitsgefahren durch neue psychoaktive / hochpotente Substanzen.
  1. Ausbau von Hilfesystemen und Präventionsangeboten
    Die Expertinnen und Experten betonten die Notwendigkeit eines diversifizierten niederschwelligen Angebots zur Prävention und Aufklärung. Besonders hervorgehoben wurde die Rolle von Schulen und Konsumszenen als Hauptpräventionsorte, die Weiterleitung aus Notfallambulanzen und die Einbeziehung von Hilfenetzwerken.
  1. Implementierung ganzheitlicher Therapiekonzepte
    Medizinische, psychologische und soziale Komponenten sollen integrativ gedacht und umgesetzt werden – optimalerweise in enger Kooperation mit politischen Entscheidungsträgern und lokalen Akteurinnen und Akteuren aus Gesundheit, etwa in Form von interdisziplinären Round Tables.

 

 

Die Stuttgarter Biennale 2025 verdeutlichte eindrücklich die Dringlichkeit struktureller Veränderungen in der Suchtmedizin. Die vorgestellten internationalen Erfahrungen und interdisziplinären Beiträge zeigten nicht nur die Möglichkeiten effektiver Frühintervention und Prävention, sondern unterstrichen auch die Notwendigkeit politischer Entschlossenheit und sektorübergreifender Zusammenarbeit zur Vorbeugung und Bewältigung zukünftiger Herausforderungen.

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