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Absorption, Verteilung und Plasmaproteinbindung

Nach intravenöser Infusion von Argatroban wird das steady state rasch nach 1 bis 3 h erreicht. Die Plasmakonzentration im steady state (Css) beträgt 541,0 ng/ml (Männer) bzw. 473,0 ng/ml (Frauen) [1].

Das Verteilungsvolumen (Vdβ) von Argatroban ist relativ gering, 391 ± 155 ml/kg (Mittelwert ± SD), was darauf hinweist, dass die Substanz hauptsächlich in der extrazellulären Flüssigkeit verteilt ist und primär im Intravasalraum bleibt.

Argatroban wird etwa zu 20 % bis 54 % reversibel an Serumproteine gebunden (Albumin 20,2 % und α-1-saures-Glycoprotein 34,0 %). Aufgrund dieser niedrigen Bindung an Plasmaproteine ist eine signifikante Interferenz mit der Proteinbindung anderer Medikamente somit unwahrscheinlich [2].

Zwischen der Infusionsdosis und der Plasmakonzentration von Argatroban besteht eine lineare Beziehung (s. Abb.) [3]. Die Plasmakonzentrationen zeigen eine relativ geringe interindividuelle Variabilität (CV < 25 %).

Abbildung: Beziehung zwischen der mittleren Plasmakonzentration von Argatroban und der Infusionsdosis nach 240 min bei gesunden Probanden (N = 7 – 9 für jede Dosis). Modifiziert nach [3]

Ausscheidung und Halbwertszeit

Argatroban und seine Stoffwechselprodukte werden zum größeren Teil über die Fäzes eliminiert (65,4 ± 7,1%). Ein kleinerer Teil des Argatroban (21,8 ± 5,8%) wird mit dem Urin ausgeschieden. Etwa 30 % des Argatroban werden unverändert ausgeschieden (Urin 16,4 ± 5,2%, Fäzes 14,0 ± 7,6%) [1].

Sobald die Argatroban-Infusion abgesetzt wird, fällt die Plasmakonzentration von Argatroban rasch ab. Die Eliminationshalbwertszeit beträgt 52 ±16 min [1]Nach etwa 2,5 h lagen die Werte unter der Nachweisgrenze von ≥ 100 ng/ml (HPLC mit Fluoreszenzdetektor) oder ≥ 5 ng/ml (LC MS/MS; Flüssigkeitschromatographie mit Tandem Massenspektrometer) [2].

Die Körpergewichts-adjustierte Plasma Clearance liegt zwischen 4,9 und 5,4 ml/kg ✕ min. Für die beiden Diastereoisomere (21R)-Argatroban und (21S)-Argatroban wurden ähnliche Werte gefunden [2] [3].

Tabelle: Argatroban – pharmakokinetische Daten modifiziert nach [2]. Angegeben sind die Mittelwerte ± SD von gesunden Probanden (N = 40) beiderlei Geschlechts (Alter 19 bis 79 Jahre).

Alter und Geschlecht haben keinen oder nur einen geringen Einfluss auf die pharmakokinetischen Kenndaten von Argatroban. Die Clearance ist der einzige Parameter, der bei älteren Männern etwa 20 % geringer ist als bei älteren Frauen [2].

Metabolismus

Der Metabolismus von Argatroban ist bisher nicht vollständig charakterisiert worden. Die identifizierten Metaboliten (M-1, M-2 und M-3) werden in der Leber durch Hydroxylierung und Aromatisierung des 3-Methyltetrahydrochinolinrings gebildet. Die Bildung der Metaboliten wird in vitro durch Cytochrom-P450-Enzyme CYP3A4/5 katalysiert, in vivo ist dies jedoch kein Haupteliminationsweg [1] [2].

Der Antithrombin-Effekt des primären Metaboliten (M-1) ist 40-mal schwächer als der von Argatroban. Die Metaboliten M-1, M-2 und M-3 wurden im Urin und M-1 wurde in Plasma und Fäzes nachgewiesen [1] [2].

Das Molekül besitzt 4 asymmetrische Kohlenstoffatome. Eines der asymmetrischen Zentren kann in einer R- oder einer S-Konfiguration vorliegen. Argatroban liegt als Gemisch von zwei Diastereomeren mit einem Verhältnis von (21R)- zu (21S)-Diastereomer von etwa 64:36 vor. Das Verhältnis der beiden Diastereoisomere des Argatroban (R und S) im Plasma wird durch die Metabolisierung oder Leberfunktionsstörungen nicht verändert. Eine Interkonversion findet nicht statt [1] [2].